Rote Karte: Weniger als jeder zehnte Bonner Bus fährt elektrisch
Bonn, 6. Oktober 2026. Die Deutsche Umwelthilfe sieht Bonn beim Umstieg auf Elektrobusse auf Platz 30 von 40 Großstädten. Was die Umfrage misst, was die Stadtwerke geplant haben und was Bus und Bahn die Stadt schon heute kosten.
Radio Bonn/Rhein-Sieg meldete am Dienstagmorgen in wenigen Sätzen, die Deutsche Umwelthilfe zeige Bonn die Rote Karte. Hier ist der Zusammenhang: wofür genau, wie die Umwelthilfe zählt und was die Stadtwerke selbst angeben.
DIE MELDUNGPlatz 30 von 40
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die 40 größten Städte Deutschlands nach ihren Busflotten befragt. Stichtag war der 31. Dezember 2025. In Bonn fuhren danach 8,8 % der Busse batterieelektrisch. Damit liegt Bonn auf Platz 30. An der Spitze stehen Mannheim, Freiburg und Karlsruhe, wo jeweils mehr als die Hälfte der Busse elektrisch fährt. Fünf Städte haben laut Umfrage gar keinen E-Bus.
Die Rote Karte gibt es nicht nur für die niedrige Quote. Die DUH fragte auch, was die Verkehrsbetriebe bis 2030 kaufen wollen. In Bonn sind danach 40,7 % der geplanten Neukäufe Verbrenner. Wer unter einem Viertel elektrisch fährt und weiter Verbrenner kauft, bekommt nach der Methode der DUH Rot. Mildhybride, also Diesel mit kleinem Elektromotor, zählt die DUH als Verbrenner.
der Bonner Linienbusse fuhren batterieelektrisch, Platz 30 unter den 40 größten Städten
der geplanten Bus-Neukäufe sind Verbrenner, einschließlich Mildhybriden
soll die Busflotte komplett elektrisch fahren
DIE FLOTTEWas die Stadtwerke selbst angeben
SWB Bus und Bahn betreibt 214 Linienbusse. Elektrisch unterwegs sind 17, die ältesten davon seit 2021. 11 weitere sind bestellt, 30 mehr sollen bis 2028 kommen. Für sie hat der Bund eine Förderung von bis zu 6,46 Mio. € zugesagt. Ziel ist eine komplett elektrische Busflotte bis 2035. Daneben fahren 54 Mildhybrid-Busse.
Mit den Angaben der Stadtwerke ergibt sich ein etwas niedrigerer Anteil als bei der DUH: 7,9 %. Der Unterschied kann an den Stichtagen oder an der Abgrenzung liegen, etwa an Bussen von Subunternehmen. Am Platz in der Rangliste ändert das nichts.
Ganz neu ist das Thema nicht: Erste E-Busse fuhren in Bonn schon vor 2018. Nach Problemen mit Zuverlässigkeit und Kosten kauften die Stadtwerke 2017 wieder Dieselbusse. 2023 kündigten sie dann an, ab 2024 nur noch batterieelektrische Busse zu kaufen. Die Angaben gegenüber der DUH sehen für 2026 bis 2030 dagegen auch Verbrenner vor. Eine Erklärung dafür haben wir bei den Stadtwerken und der Stadt bis zur Veröffentlichung nicht gefunden.
DAS RECHTWas Pflicht ist und was nicht
Seit 2021 schreibt das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz Mindestquoten für neu beschaffte Busse vor. Von 2026 bis 2030 müssen mindestens 65 Prozent „sauber“ sein, die Hälfte davon emissionsfrei. Die Pflicht trifft jeden öffentlichen Auftraggeber. Die Länder können aber zulassen, dass einzelne die Quote unterschreiten, wenn andere sie übererfüllen. Einen Rechtsverstoß belegt die Umfrage deshalb nicht. „Sauber“ ist außerdem weiter gefasst als elektrisch: Auch Erdgas, bestimmte Biokraftstoffe und aufladbare Hybride zählen dazu.
DAS GELDWarum der Umstieg am Haushalt hängt
E-Busse sind in der Anschaffung teurer als Dieselbusse. Deshalb fördert der Bund die Mehrkosten, und deshalb fordert die DUH eine dauerhafte Finanzierung durch Bund und Länder, auch für Betriebshöfe und Ladetechnik. In Bonn trifft die Forderung auf diese Lage:
- Der Nahverkehr kostete den städtischen Haushalt 35,5 Mio. €. Bis 2018 war es fast nichts.
- Im Stadtwerke-Konzern blieb im Verkehr nach allen Zuschüssen ein Minus von 37,8 Mio. €. Das Minus der gesamten Verkehrssparte soll ab 2029 auf 80 Mio. € gedeckelt werden.
- Die Stadt hat Kredite von 228,5 Mio. € aufgenommen und an die Stadtwerke weitergereicht, vor allem für neue Bahnen.
- Seit September 2026 gilt in Bonn eine Haushaltssperre.
Bonn will bis 2035 klimaneutral sein, die Stadtwerke wollen bis dahin nur noch elektrisch fahren. Wie schnell das gelingt, hängt auch daran, wer Fahrzeuge, Ladepunkte und Betriebshöfe bezahlt.
WAS OFFEN ISTFragen an die Stadtwerke
- Welche Verbrenner sollen bis 2030 noch gekauft werden, und warum, wenn seit 2024 nur noch E-Busse beschafft werden sollten?
- Welchen Gesamtbestand haben die Stadtwerke der DUH gemeldet?
- Die DUH gibt an, ein Teil der Verbrenner erfülle nur die Abgasnorm Euro V. Die Stadtwerke schreiben im Geschäftsbericht, alle Busse erfüllten mindestens Euro VI oder Gleichwertiges. Wie passen beide Angaben zusammen?
Wir aktualisieren diese Meldung, sobald Antworten vorliegen.

Zahlen in diesem Beitrag
- 8,8 %der Bonner Linienbusse fuhren batterieelektrisch, Platz 30 unter den 40 größten Städten
- 40,7 %der geplanten Bus-Neukäufe sind Verbrenner, einschließlich Mildhybriden
- 2035soll die Busflotte komplett elektrisch fahren
- 214Linienbusse auf 50 Linien, dazu rund 100 Bahnen
- 17E-Busse im Bestand, davon 3 Gelenkbusse
- 11weitere E-Busse bestellt, Lieferung Anfang 2027
- 30weitere E-Busse bis 2028, 25 Solo- und 5 Gelenkbusse, mit Bundesförderung
- 6,46 Mio. €Bundesförderung höchstens für die 30 E-Busse, 80 % der Mehrkosten gegenüber Diesel
- 54Mildhybrid-Busse, die die Umwelthilfe als Verbrenner zählt
- 7,9 %E-Bus-Anteil mit den Angaben der Stadtwerke, 17 E-Busse geteilt durch 214 Linienbusse
- 35,5 Mio. €kostete der Nahverkehr den städtischen Haushalt, rund 104 € pro Kopf. Bis 2018 war es fast nichts
- 37,8 Mio. €Rest-Minus im Verkehr, das der Konzern nach allen Zuschüssen tragen musste
- 80 Mio. €Deckel für das Verkehrs-Minus ab 2029. Ohne Deckel wären rund 100 Mio. € erwartet worden
- 228,5 Mio. €Kredite, die die Stadt aufgenommen und an die Stadtwerke weitergereicht hat
Begriffe aus dem Lexikon
- Haushaltssperre
- Die Stadt gibt bereits eingeplantes Geld nur noch eingeschränkt frei, um ihren Haushalt zu sichern.
Quellen
- PresseRadio Bonn/Rhein-Sieg: Zu wenige E-Busse: Deutsche Umwelthilfe zeigt Bonn die Rote Karte 06.10.2026
- Verband oder KammerDeutsche Umwelthilfe: Elektrifizierung der Busflotten im Städtevergleich: Deutsche Umwelthilfe fordert beschleunigte Elektrifizierung und sofortigen Stopp von Verbrenner-Neubeschaffungen 06.10.2026
- Verband oder KammerDeutsche Umwelthilfe: Elektrifizierung der Busflotten: Wo Deutschlands Großstädte stehen Stand 15.09.2026 · Anhang, Tabellen 1 und 2
- PresseNeue Westfälische (dpa): Umwelthilfe: In vielen großen Städten rollen Verbrennerbusse 06.10.2026
- UnternehmensberichtSWB Bus und Bahn: 6,46 Millionen Euro für neue E-Busse 24.02.2026
- UnternehmensberichtStadtwerke Bonn: Geschäftsbericht 2025 des SWB-Konzerns 2026 · PDF-S. 20–21
- UnternehmensberichtSWB Bus und Bahn: 30 emissionsarme Busse verstärken die Bonner Flotte 16.03.2023
- UnternehmensberichtSWB Bus und Bahn: Neue E-Busse 20.08.2025
- PresseZeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK): Stadtwerke Bonn: Statt E-Bussen nun wieder Diesel 17.01.2018
- UnternehmensberichtSWB Bus und Bahn: SWB Bus und Bahn, Beteiligungen und Liniennetz ohne Fundstelle
- Amtliches DokumentBundesministerium der Justiz: Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz (Umsetzung der EU-Richtlinie 2019/1161) 09.06.2021 · §§ 5, 6
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Jahresabschlüsse 2013–2024 (Ergebnisrechnung, Bilanz, Anlagen- und Verbindlichkeitenspiegel) 2014–2025 · Produktgruppe 1.12.07
- PresseZeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK): Finanzierung des Querverbunds spitzt sich zu, Bonn deckelt künftig ÖPNV-Verluste 07.07.2025
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Jahresabschluss 2025 (Entwurf), Teil 1 2026 · PDF-S. 157
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Klimaplan 2035 2023
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