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Bonn, Unabhängig. Belegt. Für alle, die mitreden wollen.

Was kostet Bonn?

Konzept V4

Ein Magazin statt eines Datenlabyrinths

V2 setzte der Komplexität der Stadt eine eigene Komplexität entgegen. V3 erzählte eine Geschichte, aber nur eine, und nur einmal. V4 verbindet beides: Geschichten mit rotem Faden, viele Stimmen, und darunter ein Fundament, in dem jede Zahl genau einmal belegt ist.

1. Ausgangslage

V2 wertet alle Berichte der Stadt aus und verlinkt sie untereinander. Das ist gründlich, aber für interessierte Laien zu viel: lauter Einzelreports, keine Geschichte, kein Einstieg. V3 erzählt in zwölf Teilen, einem Mythen-Check und einem Rechner, warum das Geld nicht reicht. Der rote Faden trägt, Tabellen und Charts erschlagen niemanden. Aber V3 ist ein fertiges Werk aus generierten HTML-Seiten: Neue Autorinnen, neue Blickwinkel oder eine Korrektur an einer Zahl, die in fünf Teilen vorkommt, sind darin nicht vorgesehen.

V4 übernimmt die Inhalte von V3 vollständig und baut darum ein Redaktionssystem: ein Inhaltsmodell, in dem Beiträge, Zahlen, Quellen, Grafiken, Faktenchecks, Themen, Lesepfade und Leitfragen eigene Einheiten sind, die sich gegenseitig referenzieren.

2. Was die Recherche ergeben hat

Strukturierter Journalismus: Fakten als Bausteine

Projekte wie Circa, die „Atomized News“ der BBC oder das News-Atom-Modell des Reuters Institute zerlegen Berichterstattung in wiederverwendbare, prüfbare Einheiten. Für Kommunalfinanzen passt das besonders gut: Dieselbe Zahl, etwa die Schulden pro Kopf, taucht in vielen Texten auf. V4 führt sie deshalb im Zahlen-Register, mit Jahr, Status, Rechenwerk und Quelle. Texte verweisen nur darauf. Wird ein Entwurf festgestellt, ändert die Redaktion den Wert an einer Stelle, und das Redaktionssystem zeigt jeden betroffenen Beitrag.

Themenseiten mit gepflegtem Stand

Our World in Data hat seine Themenseiten nach dem Prinzip „Überblick zuerst, dann filtern, dann Details“ neu gebaut. V4 übernimmt das als Dossier: oben ein datierter „Stand der Dinge“, der aktualisiert statt neu geschrieben wird, darunter Zahlen, Beiträge nach Lesetiefe, Perspektiven, offene Fragen und Recherche-Links.

Facetten statt Kategorienbaum

Ein Blog ordnet nach Datum, ein Archiv nach Kategorien. Ein enges, aber komplexes Feld braucht mehrere unabhängige Ordnungen gleichzeitig, wie es die Facettenklassifikation beschreibt und Nachrichtenagenturen mit kontrollierten Vokabularen (IPTC Media Topics) praktizieren. V4 hat deshalb sieben Taxonomien, die sich frei kombinieren lassen.

Trennung, Korrektur, Transparenz

Nach dem Pressekodex (Ziffer 3) müssen Korrekturen online sichtbar mit dem Beitrag verbunden sein; der Code der Faktenchecker (IFCN) verlangt offene Methoden, Quellen und Korrekturen. V4 macht daraus Pflichtfelder: Format mit sichtbarer Familie (Fakt, Einordnung, Meinung), Korrekturprotokoll, Transparenzangabe jeder Person, Vier-Augen-Faktencheck.

Redaktionssystem ohne Server

Git-basierte Systeme wie Keystatic, Decap oder Sveltia CMS speichern Inhalte als Markdown und YAML im Repository. Ihr „Editorial Workflow“ legt für jeden Entwurf einen eigenen Branch mit Pull Request an; Veröffentlichen heißt Mergen. Das passt zur statischen Website: kein Datenbankserver, volle Versionsgeschichte, und die bestehenden Prüf-Gates laufen auf jedem Entwurf.

3. Informationsarchitektur

Vier Zugänge, ein Fundament

Alle Wege führen zu denselben Beiträgen. Beiträge verweisen auf Register statt Zahlen abzuschreiben.

Lesepfaderoter FadenThemenDossiersDebattenPerspektivenStromchronologischBeiträgeBericht · Erklärstück · Analyse · Faktencheck · Kommentar · Gastbeitrag · Pro & ContraZahlenRegisterQuellenRegisterGrafikenRegisterFaktenchecksRegister
  • Lesepfade sind der rote Faden: geordnete Wege mit Notiz je Station. Die beiden V3-Staffeln sind Pfade, dazu „Bonn in 20 Minuten“ und das Dossier „Schuldenfrage“.
  • Themen sind Dossiers mit Stand der Dinge. Jedes Thema ist in die amtlichen Produktbereiche übersetzt und verlinkt die bestehenden Datenseiten.
  • Debatten bündeln Perspektiven zu einer Leitfrage: erst was feststeht, dann Positionen nach Haltung.
  • Der Strom ist die einzige chronologische Ansicht, inklusive Korrekturen und neuer Stände.
  • Entdecken filtert quer über alle Facetten.
  • Mitmachen ist der Aufruf: 8 Wege, Einfluss auf den Haushalt zu nehmen, vom Nachprüfen einer Zahl bis zum Einwohnerantrag, jeweils mit Aufwand, Wirkung, Grenze, Rechtsgrundlage und Vorlage.

Drei Zeitschichten: Meldung, Beitrag, Lexikon

Inhalte altern unterschiedlich schnell. Eine Meldung reagiert auf einen Anlass, etwa eine Studie oder eine Ratsvorlage, und nennt ihn mit Quelle und Datum. Sie ordnet mit Zahlen aus dem Register ein, wertet aber nicht. Meldungen erscheinen ohne weitere Pflege in der Leiste „Aktuell“, auf der Titelseite, im Ressort, unter „Neueste“ und im RSS-Feed und rutschen mit der Zeit nach unten.Beiträge wie Erklärstücke und Analysen halten länger und werden aktualisiert, wenn sich Zahlen ändern. Das Lexikon ist zeitlos: Es erklärt, wie Rat, Haushalt und Finanzausgleich funktionieren, und enthält bewusst keine aktuellen Zahlen. So verweist die schnelle Schicht auf die langsame, und Leserinnen und Leser finden von jeder Meldung zum Hintergrund.

Ein bekanntes Format: die Zeitung

Ein Portal mit Lesepfaden und Registern ist für viele ungewohnt. Eine Zeitung kennt jeder. Deshalb folgt die Titelseite ihrem Bauplan: Datumszeile, Nachrichtenleiste „Aktuell“, ein Aufmacher mit Foto und „Mehr zum Thema“, links eine Einstiegsspalte, rechts die Lage, darunter Ressortblöcke mit Schlagzeilen, Meinung, Serien und Faktencheck. Beiträge beginnen mit einer Initiale. Die Begriffe folgen dem Blatt: Serien statt Lesepfade, Ressorts, Leserbrief, Gastbeitrag.

Der Unterschied zur Zeitung: Am Ende jedes Beitrags und jedes Ressorts steht „Was du jetzt tun kannst“, mit dem nächsten Termin, an dem Bürgerinnen und Bürger ein Anliegen in einen Ausschuss bringen können. Lesen soll nicht das Ende sein. Wo der Kopf einer Zeitung zum Abo einlädt, lädt dieser zum Mitmachen ein.

4. Taxonomien

Jeder Beitrag wird in allen Facetten eingeordnet. Das Vokabular ist kontrolliert und im Code hinterlegt.

FacetteWerteWozu
Thema (2 Ebenen)Haushalt und Defizit, Schulden und Zinsen, Soziales und Jugendhilfe, Kultur, Grün und Freizeit, Straßen, Brücken, Gebäude, Bus, Bahn und Stadtwerke, Bauprojekte, Personal und Pensionen, Klima und Sanierung 2035, Einnahmen und Steuern, Betriebe und GebührenWie Menschen fragen, übersetzt in die Haushaltsgliederung
FormatMeldung, Bericht, Erklärstück, Analyse, Faktencheck, Datenreport, Werkzeug, Kommentar, Gastbeitrag, Pro & ContraDarstellungsform, mit Familie Fakt, Einordnung oder Meinung
StimmeRedaktion, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Praxis und Verwaltung, Politik, Leserinnen und LeserWer spricht, nach Herkunft statt politischer Richtung
LesetiefeEinstieg, Vertiefung, FachlichVom Einstieg zur Vertiefung
Haltungordnet ein, dafür, dagegen, wägt abPosition zu einer Leitfrage
DatenstatusIst, Entwurf, Plan, Prognose, Presse, Erhebung, Schätzung, RechnungAbgeleitet aus den Zahlen, die ein Beitrag nutzt
AkteureRat der Stadt Bonn, Kämmerei, Städtisches Gebäudemanagement, Stadtwerke Bonn, Theater Bonn, Gemeindeprüfungsanstalt NRW, Land NRW, Bund, Landschaftsverband Rheinland, Autobahn GmbH, IT.NRWWer handelt oder zahlt

5. Formate und Status sichtbar machen

MeldungBerichtErklärstückAnalyseFaktencheckDatenreportWerkzeugMeinung · KommentarMeinung · GastbeitragMeinung · Pro & Contra

Meinungsbeiträge erkennt man schon an der kursiven Serifenschrift im Titel und am Hinweiskasten. Einschätzungen der Redaktion in Erklärstücken und Analysen stehen in einem eigenen, beschrifteten Kasten. Faktenformate dürfen keinen solchen Kasten enthalten; das prüft eine Regel.

IstEntwurfPlanPrognosePresseErhebungSchätzungRechnung

Der Status einer Zahl steckt in der Form: Ist ist gefüllt, Entwurf heller, Plan schraffiert, Prognose gestrichelt, Fremdangaben grau, eigene Rechnung gepunktet. So bleibt der Unterschied auch ohne Farbe und im Graustufendruck lesbar.

6. Workflow und Rollen

Idee → Recherche → Entwurf → Faktencheck → Freigabe → Veröffentlicht. Nur veröffentlichte Beiträge erscheinen im Portal; alle anderen sieht die Redaktion im Redaktionsdesk. Zwischen Entwurf und Veröffentlichung laufen automatische Prüfregeln: Zahl nicht im Register, offener Kasten, Faktencheck durch den Autor selbst, Einschätzung in einem Faktenformat, behauptete Zweckbindung, freie Beträge ohne Jahr. Fehler blockieren, Hinweise informieren. Details auf der Seite Workflow und Regeln.

7. Technik

  • Astro Content Collections mit Zod-Schemas: 44 Beiträge als Markdown, Zahlen, Quellen, Grafiken, Themen, Pfade, Leitfragen, Faktenchecks und Personen als YAML. Verweise laufen über reference().
  • Redaktions-Markdown mit Bausteinen in der Syntax von remark-directive: :zahl[id], ::kennzahlen[…], ::grafik[id], :::einordnung. Die Standard-Pipeline von Astro rendert den Text, ein kleiner Parser setzt die Bausteine ein.
  • Grafiken als Daten: zehn Typen, serverseitig als HTML oder SVG gerendert, ohne JavaScript, mit Textalternative und Datentabelle.
  • Statisch und schnell: Vue nur für die Facettensuche, selbst gehostete Schriften statt Google Fonts, keine Tracker.
  • Wiederverwendung statt Doppelpflege: Glossar, Bildnachweise, Produktbereiche und Quellen-IDs kommen aus dem bestehenden Datenbestand der Website.
  • Prüfregeln als Tests: Dieselben Regeln, die der Redaktionsdesk anzeigt, laufen in den Unit-Tests. Ein veröffentlichter Beitrag mit Fehler bricht den Build.
  • Empfohlenes Backend: Sveltia oder Decap CMS mit Editorial Workflow (Branch und Pull Request je Beitrag) oder Keystatic. Die Sammlungen sind so geschnitten, dass sie sich eins zu eins als CMS-Collections konfigurieren lassen.

8. Grenzen dieses Entwurfs

  • Das Redaktionssystem ist ein Frontend-Prototyp: Formulare speichern nicht, Workflow-Wechsel passieren über Git.
  • Alle Personen außer der Redaktion und alle Beiträge mit dem Hinweis „Beispielbeitrag“ sind erfunden, um Perspektiven und Workflow zu zeigen. Ihre Zahlen stammen trotzdem aus dem Register.
  • Die Links im Quellen-Register sind noch nicht automatisch geprüft. Ein Prüflauf wie npm run check:sources der Hauptseite würde das Feld linkpruefung setzen.
  • Rechner und Datenreport aus V3 sind verlinkt, nicht neu gebaut.

Quellen der Recherche