Blitzer, WCCB, Bundesstadt: 9 Mythen über Bonns Geld im Faktencheck.
Jeder hat eine Meinung, warum Bonn kein Geld hat. Wir haben die bekanntesten Behauptungen mit amtlichen Zahlen geprüft. Ergebnis: Die meisten einfachen Erklärungen sind falsch, und die Wahrheit ist unbequemer.
NEUN BEHAUPTUNGENWas über Bonns Geld erzählt wird und was stimmt
Am Stammtisch, in Kommentarspalten, im Wahlkampf: Über Bonns Finanzen kursieren viele feste Überzeugungen. Wir haben neun davon mit den Zahlen aus dieser Serie geprüft.
Nach Abzug ihrer eigenen Kosten brachte die Verkehrsüberwachung 2024 rund 2,5 Mio. € (Ist, nach interner Verrechnung). Das sind 0,14 % aller Erträge. Die oft zitierten 12 Mio. € aus den Bußgeldlisten sind ausgestellte Beträge, keine Einnahmen. Die Zahl der Verfahren sinkt sogar: von 359.653 (2023) auf 301.116 (2025, Entwurf).
Nach dem Umzug nach Berlin flossen von 1995 bis 2004 rund 1,44 Mrd. € in die Region Bonn, für Projekte und nicht für den laufenden Stadthaushalt. Heute gibt es keinen laufenden Bundesstadt-Ausgleich. Eine neue Zusatzvereinbarung mit dem Bund ist verhandelt, aber noch nicht unterschrieben (Stand September 2026).
Das WCCB war ein Desaster. Eine amtliche Gesamtrechnung gibt es nicht, der Bund der Steuerzahler schätzt den Schaden auf rund 250 Mio. €. Belegt ist vor allem ein Vergleich über 70 Mio. €, bezahlt 2017 mit zusätzlichem Dispo. Bei rund 2 % Zins kostet das etwa 1,4 Mio. € im Jahr (eigene Näherung). Das erklärt weder 840 Mio. € Dispo (Ende 2025) noch ein Defizit von über 100 Mio. € (2026, Plan und Prognose). Mehr in Teil 9.
Gewinne aus Strom und Gas und das Minus von Bus und Bahn werden in einem Konzern verrechnet, das spart Steuern. 2024 standen Bonn 34,7 Mio. € Energiegewinn zu, im Verkehr blieb nach allen Zuschüssen ein Minus von 37,8 Mio. € (Presse, ZfK). Die Energie trägt also mit, aber sie reicht nicht. Dazu kommen der Deutschlandticket-Ausgleich von Bund und Land (2025: 36,8 Mio. €) und seit 2023 ein eigener Ausgleich der Stadt (2024: 35,6 Mio. €, 2025: 39,7 Mio. €). Mehr in Teil 8.
Der Personalanteil liegt mit 22,85 % über der typischen Stadt (21,22 %), aber nicht im teuersten Viertel (2023). Die Planstellen sind seit 2023 kaum gestiegen (+0,9 %), die Kosten steigen über die Löhne. Gleichzeitig waren Mitte 2024 515 Stellen unbesetzt, und Bauanträge dauerten 2023 im normalen Verfahren 295 Tage. Mehr in Teil 10.
Bonn hat schon einen der höchsten Gewerbesteuersätze in NRW (537 %). Um das erwartete Defizit 2026 allein über Steuern zu schließen, bräuchte es 792 % Gewerbesteuer oder 1.901 % Grundsteuer B. Mehr in Teil 12.
Die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz kosteten die Stadt netto rund 4 Mio. € (2025, Entwurf). Selbst wenn man die gesamte Wohnungslosen- und Unterbringungshilfe hinzurechnet, die auch andere Menschen betrifft, sind es in diesen beiden Bereichen rund 27 Mio. €. Alle Sozialleistungen zusammen kosten netto über 500 Mio. € (Plan 2026, einschließlich Landschaftsumlage). Geringere Erstattungen für die Unterbringung nennt die Stadt als einen von mehreren Gründen für die Verschlechterung 2026, ohne Betrag.
Abriss und Neubau zahlt der Bund. Bonn trägt die Kosten der Notmaßnahmen, etwa für den kostenlosen Nahverkehr im Juni. Das sind grob 1,2 Mio. € (eigene Schätzung aus den Wochenwerten). Teuer wird die Sperrung für die Wirtschaft und für deine Zeit. Langfristig kann sie auch die Gewerbesteuer treffen. Mehr in Teil 7.
Eine Gemeinde kann in Deutschland nicht insolvent werden (§ 128 Abs. 2 GO NRW). Aber: Die Rücklage für schlechte Jahre ist nach dem Plan 2026 aufgebraucht, die Schulden wachsen, und seit September 2026 gilt eine Haushaltssperre. Danach droht ein Haushaltssicherungskonzept unter Aufsicht der Bezirksregierung. Mehr in Teil 5.