Was kostet Bonn?Blog · Bonn erklärt
BONN ERKLÄRT · STAFFEL 1 · TEIL 4

Oper, Orchester, Hecken: Bonn gönnt sich was. Ist es das wert?

Bonn ist Beethovenstadt, ehemalige Hauptstadt, UN-Stadt. Das sieht man, und das kostet. Ein Blick auf die Dinge, deren Umfang Bonn selbst bestimmt und die Bonn ausmachen.

DER KULTUR-KASSENBONWas dich Bonns Kultur im Jahr kostet

Kultur ist in Bonn überwiegend keine Pflicht, sondern eine Entscheidung. Und Bonn hat sich entschieden: Beethovenstadt, eigenes Orchester, Oper und Schauspiel. Hier ist die Rechnung, umgelegt auf jede Bonnerin und jeden Bonner.

Mehr als die Hälfte davon, 55 %, ist das Theater. Nach Verrechnung aller internen Leistungen kostete es den Haushalt 2025 (Entwurf) 40,9 Mio. €, rund 120 € pro Kopf.

DAS VERSPRECHEN VON 2014Die teuerste Kultur im Vergleich

Schon 2014 haben die Landesprüfer Bonn den Spiegel vorgehalten. Keine andere verglichene kreisfreie Stadt in NRW ließ sich Kultur so viel kosten.

Kultur-Defizit pro Einwohner 2× so teuer

Bonn
184 €
typisch
93 €

Höchster Wert von 18 Städten. Die Prüfer nannten einen „hohen Standard“: Theater mit mehreren Spielstätten und ein großes Orchester mit 106 Stellen.

2012 · Ist · gpaNRW 2014, S. 40

Die Stadt versprach damals, die Theaterkosten an den Standard vergleichbarer Städte anzupassen: 1,25 Mio. € weniger ab 2018, steigend auf 8 Mio. € weniger bis 2022. Die Prüfer nannten die Kürzung „zwingend notwendig“.

Und heute? Kultur kostet jeden Bonner 2024 netto 206 €. Nominal ist sie nicht billiger geworden als 2012.

Ob die versprochene Kürzung je kam, lässt sich mit unseren Daten nicht sauber nachrechnen. Die Beträge sind nominal, und die Rechenwege von damals und heute sind nicht identisch. Klar ist nur: Ein spürbarer Rückgang ist nicht zu sehen.

GRÜN MIT GOLDRANDHecken zwischen den Grabreihen

Bonn sieht gepflegt aus, und das hat seinen Preis. Die Landesprüfer haben auch das Grün verglichen, allerdings mit älteren Zahlen.

Friedhofsgrün und -wege pro m² 2,6× so teuer

Bonn
5,57 €
typisch
2,14 €

Teuerster Wert aller Städte. Die Gründe: 40 Friedhöfe mit langen Wegen, überall der höchste Pflegestandard A, Hecken auch zwischen den Grabreihen, keine Unkrautvernichter. Bezahlt wird das größtenteils über Friedhofsgebühren, also von den Angehörigen.

2017 · Ist · gpaNRW 2019, S. 248, 259

Spielplätze pro m² +47 %

Bonn
4,85 €
typisch
3,30 €

Ein Teil ist Sanierungsstau: Alte Geräte brauchen mehr Kontrolle und Reparatur.

2011 · Ist · gpaNRW 2014, S. 213

Parks pro m² +37 %

Bonn
1,64 €
typisch
1,20 €

Höchstwert, mit intensiv gepflegten repräsentativen Anlagen der UN-Stadt. 2011 war allerdings ein Spitzenjahr, 2012 lag Bonn bei 1,39 €. Die Prüfer sahen damals 2,5 Mio. € Sparpotenzial im Jahr beim Grün.

2011 · Ist · gpaNRW 2014, S. 8, 210

DIE EHRLICHE RECHNUNGIst es das wert?

Unsere EinschätzungTheater, Orchester, gepflegte Parks: Das macht Bonn zu Bonn, und es ist legitim, dafür Geld auszugeben. Aber dann bitte mit offenen Karten. Bonn hat 2014 versprochen, beim Theater auf das Niveau vergleichbarer Städte zu kommen. Davon ist nichts zu sehen. Gleichzeitig gilt: Selbst wenn Bonn die gesamte Kultur halbieren würde, wären das nur 37 bis 40 Mio. € (Basis 2025, Entwurf, je nachdem, ob interne Leistungen mitgerechnet werden). Das erwartete Defizit 2026 von 167,5 Mio. € (Prognose) wäre damit nicht weg.
Standards festlegen statt erben

Pflegestufe A auf allen 40 Friedhöfen (Stand 2017), Theater an mehreren Spielstätten: Das sind politische Entscheidungen. Man kann sie treffen, man sollte sie aber regelmäßig neu treffen.

Versprechen nachhalten

Wer 8 Mio. € Einsparung zusagt, sollte zeigen, ob sie kam. Ein jährlicher Kultur-Kassenbon wie oben wäre ein Anfang.

Kultur nicht zum Sündenbock machen

Kultur macht weniger als 5 % der Aufwendungen aus (2025, Entwurf). Die großen Brocken sind Soziales und Jugendhilfe (Teil 3), dazu kommen die stark steigenden Zinsen (Teil 2).

DIE SERIEBonn erklärt

STAFFEL 1 Warum das Geld nicht reicht
STAFFEL 2 Wo das Geld hingeht und wo es fehlt
EXTRAS Prüfen und selbst rechnen