537 Prozent. Bonn ist bei den Steuern fast am Anschlag.
Bonn nimmt so viel Steuern ein wie nie. Aber die wichtigste Einnahme schwankt um 100 Millionen, vom Boom bleibt über den Finanzausgleich oft nur ein Viertel, und an der Steuerschraube ist kaum noch Luft. Woher Bonns Geld kommt und warum es nicht verlässlich ist.
DER MIXWovon Bonn lebt
Knapp die Hälfte aller Erträge sind Steuern. Die wichtigste ist die Gewerbesteuer, die Unternehmen auf ihren Gewinn zahlen. Dazu kommen der Anteil der Stadt an der Einkommensteuer ihrer Bürger, die Grundsteuer auf Häuser und Grundstücke und Zuweisungen des Landes.
Bonns Steuern und Abgaben 2026
DIE ACHTERBAHNDie Haupteinnahme schwankt um 100 Millionen
Gewerbesteuer Bonn
Von 289 Mio. € auf 178 Mio. € in einem Jahr (2011 → 2012), dann wieder hoch auf 318 Mio. € (2018). Davon waren allerdings 42 Mio. € eine Forderung, die die Stadt nie eintreiben konnte. 2023 kamen auf einen Schlag 71 Mio. € mehr. 2024 lag die Gewerbesteuer rund 52 Mio. € über Plan, 2025 rund 44 Mio. € (Entwurf), laut Stadt dank „einmaliger Sondereffekte“.
WAS ÜBRIG BLEIBTVom Gewerbesteuer-Boom bleibt nur ein Viertel
Jetzt wird es kompliziert, aber es ist wichtig. NRW verteilt Geld zwischen armen und reichen Städten um, über die Schlüsselzuweisungen. Je mehr Steuern eine Stadt selbst einnimmt, desto weniger bekommt sie vom Land. Das passiert zeitversetzt, ein, zwei Jahre später. Nach dem Boom 2023 fielen die Zuweisungen von 216 Mio. € (2024) auf 188 Mio. € (2025, Entwurf). Mit hinein spielte auch der Zensus 2022, der Bonn rund 11.000 Einwohner weniger zuschrieb.
100 Mio. € mehr, weil Firmen mehr verdienen bleibt ≈ 27 Mio. €
Rund 7 Mio. € gehen als Gewerbesteuerumlage an Bund und Land ab, etwa 67 Mio. € fehlen später bei den Zuweisungen vom Land. Vereinfachte eigene Modellrechnung nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz, ohne Landschaftsumlage.
100 Mio. € mehr durch einen höheren Hebesatz bleibt 100 Mio. €
Das Land rechnet mit einem festen Hebesatz von 433 %. Was Bonn darüber verlangt, darf die Stadt komplett behalten. Deshalb ist der Hebesatz so verlockend.
AM ANSCHLAGAn der Steuerschraube ist kaum noch Luft
Gewerbesteuer-Hebesatz im Vergleich
Bonn hat den Gewerbesteuer-Hebesatz 2024 von 490 auf 537 Prozent erhöht. Nur zwei kreisfreie Städte in NRW verlangten 2024 mehr. Bei der Grundsteuer B lag Bonn 2024 mit 680 Prozent im Durchschnitt der kreisfreien Städte (660 %). Nach der Grundsteuerreform sind die Sätze nur noch eingeschränkt vergleichbar. Hier hat der Rat im Juni 2026 entschieden, unter dem aufkommensneutralen Satz von 732 Prozent zu bleiben. Mit diesem Satz hätte die Stadt nach der Grundsteuerreform genauso viel eingenommen wie vorher. Das kostet laut Haus & Grund rund 8 Mio. € im Jahr und ist ein Grund für „weniger Grundsteuer“ in der Prognose 2026 (Teil 5).
Jedes Gewerbesteuer-Plus über Plan geht automatisch in den Abbau des Dispos (Teil 2). Das sind Einmaleffekte, und so sollten sie auch behandelt werden.
Wer unter dem aufkommensneutralen Satz bleibt, verschenkt Millionen. Das kann man politisch wollen, man sollte es dann aber auch so sagen.
Bonn ist klein und hat kaum Gewerbeflächen, sagt die Stadt selbst. Mehr Ansiedlung bringt dauerhaft mehr als ein höherer Hebesatz.