Was kostet Bonn?Blog · Bonn erklärt
BONN ERKLÄRT · STAFFEL 1 · TEIL 2

8.024 € Schulden. Pro Kopf. Wie konnte das passieren?

Jedes Baby und jede Rentnerin in Bonn trägt rechnerisch mehr als 8.000 € Stadtschulden. Das ist mehr als doppelt so viel wie im NRW-Schnitt. Wo das Geld geblieben ist und warum die Rechnung gerade jetzt kommt.

ZWEI ARTEN SCHULDENBonn hat einen Dispo und einen Baukredit

Stell dir vor, deine Familie hat zwei Kredite. Mit dem einen baut sie das Haus: Schulen, Straßen, Brücken. Das sind die Investitionskredite. Mit dem anderen, dem Dispo auf dem Girokonto, bezahlt sie den Alltag, wenn das Gehalt nicht reicht. Das sind die Kassen- oder Liquiditätskredite, also Bonns Dispo.

Ein Baukredit ist normal, dafür steht am Ende eine Schule da. Ein Dispo, der nie auf null geht, ist ein Alarmzeichen. Bonns Dispo ist seit mindestens 2013 nie unter 600 Mio. € gefallen.

Bonns Schulden 2013–2025

Mio. € · Kernhaushalt · Stand 31.12. · 2013–2024 Ist, 2025 Entwurf
1.419
1.502
1.489
1.516
1.559
1.613
1.682
1.711
1.790
1.919
1.962
2.240
2.519
’13
’15
’17
’19
’21
’23
’25
Dispo (Liquiditätskredite)Baukredite (Investitionskredite)

Die Summe ist von 1.419 Mio. € (2013) auf 2.240 Mio. € (2024, Ist) gestiegen. Für 2025 meldet der Abschlussentwurf 2.519 Mio. €. Seit 2023 bucht die Stadt einen Teil des Dispos in die Baukredite um. Die beiden Farben sind ab dann also nur eingeschränkt mit früher vergleichbar, die Summe schon.

WIE ES DAZU KAMErst Löcher gestopft, dann gebaut

Der Dispo stammt aus schlechten Jahren. Allein 2013 bis 2016 fehlten Bonn zusammen 311 Mio. € (Jahresergebnisse, Ist). Danach hat die Stadt etwas zurückgezahlt: Der Dispo sank von 764 Mio. € (2014) auf 612 Mio. € (2017), am stärksten im Überschussjahr 2017 (−82 Mio. €). Danach ging es wieder aufwärts.

Bonn hat in guten Jahren ein bisschen getilgt. Aber nie genug, um den Dispo loszuwerden.

Bei den Baukrediten ist Bonn sogar Rekordhalter. Keine andere kreisfreie Stadt in NRW hatte 2023 so viele Investitionskredite pro Kopf: 3.955 €, die typische Stadt hatte 1.743 €. Ein Teil davon ist ein Sonderfall. Bonn leiht Geld und reicht es an die Stadtwerke weiter, die die Zinsen zurückzahlen. Ende 2023 waren das rund 101 Mio. €, Ende 2025 schon 228,5 Mio. € (Entwurf, mehr in Teil 8). Auch ohne diesen Teil läge Bonn weit über dem typischen Wert.

8.024 €
Schulden pro Kopf, NRW-Schnitt 3.561 €
Kernhaushalt · 31.12.2025 · Ist · IT.NRW
2,25×
so viel wie der NRW-Wert, fast 2× Köln (4.094 €)
31.12.2025 · Ist · IT.NRW
Platz 1
Baukredite pro Kopf unter 22 kreisfreien Städten mit Daten
2023 · Ist · gpaNRW

WARUM ES JETZT WEHTUTDie Zeit des Gratis-Geldes ist vorbei

Solange Zinsen fast nichts kosteten, war ein dicker Dispo lästig, aber billig. 2021 zahlte Bonn 23 Mio. € Zinsen. 2024 waren es schon 51 Mio. €, und für 2029 plant die Stadt mit 111 Mio. €. Der Grund: Alte Kredite werden teurer verlängert, und neue kommen hinzu.

Zinsen pro Jahr

Mio. € · Zinsen und sonstige Finanzaufwendungen · 2021–2024 Ist · 2025 Entwurf · 2029 Plan
23
51
57
111
2021
2024
2025 · Entw.
2029 · Plan
Schon 2025 kosteten Bonns Zinsen mehr als das ganze Theater: 56,8 gegen 40,9 Mio. € (beides Abschluss-Entwurf).

Und der Plan sieht noch mehr Schulden vor. Der Dispo soll bis 2029 auf 1,67 Mrd. € wachsen, mehr als doppelt so viel wie Ende 2024 (0,78 Mrd. €, Planung einschließlich Gebäudemanagement und Seniorenzentren).

DIE GUTE NACHRICHTDas Land übernimmt 225 Mio. €

NRW hilft hochverschuldeten Städten mit einem Altschuldengesetz. Für Bonn heißt das: Im ersten Quartal 2026 übernimmt das Land 225 Mio. € vom Dispo. Das sind rund 660 € pro Kopf und gut ein Viertel des Dispos von Ende 2025 (840 Mio. €, Entwurf). Weniger Schulden bedeuten weniger Zinsen. Der Zinsplan bis 2029 stammt vom Frühjahr 2025, also aus der Zeit vor dem Bescheid vom Dezember 2025.

Unsere EinschätzungDie Altschuldenhilfe ist ein Geschenk, aber eins, das es nur einmal gibt. Bei Jahresdefiziten von deutlich über 100 Mio. € ist der gewonnene Spielraum in zwei, drei Jahren wieder weg. Entscheidend ist, ob Bonn danach aufhört, neue Löcher mit dem Dispo zu stopfen. Sonst steht die Stadt 2030 wieder genau hier, nur mit höheren Zinsen.
Dispo-Bremse einbauen

Jeder Überschuss, ob aus einem Gewerbesteuer-Plus oder einem guten Jahr, geht zuerst in die Tilgung des Dispos, nicht in neue Projekte.

Nur bauen, was auch gebaut wird

Bonn plant regelmäßig viel mehr Investitionen, als es schafft (Teil 6). Realistische Pläne senken auch den Kreditbedarf.

Zinsrisiko offen zeigen

Jeder Prozentpunkt mehr Zins trifft bei 2,5 Mrd. € Schulden hart. Das gehört in jede Haushaltsdebatte.

DIE SERIEBonn erklärt

STAFFEL 1 Warum das Geld nicht reicht
STAFFEL 2 Wo das Geld hingeht und wo es fehlt
EXTRAS Prüfen und selbst rechnen