Klimaneutral bis 2035? Für die städtischen Gebäude fehlen jedes Jahr 154 Millionen.
Bonn will bis 2035 klimaneutral sein. Allein die städtischen Gebäude bräuchten dafür und für den Abbau des Sanierungsstaus laut Landesprüfern rund 2,5 Mrd. €. Bisher fließt pro Jahr etwa ein Drittel dessen, was nötig wäre. Eine Rechnung, die im Haushalt bisher fehlt.
DAS ZIELBonn will in neun Jahren klimaneutral sein
2023 hat der Rat den Klimaplan beschlossen: Bonn soll bis 2035 klimaneutral sein. 2022 stieß das Stadtgebiet rund 1,9 Mio. Tonnen CO₂ aus, 5,7 Tonnen pro Kopf. Der größte Teil kommt aus Wohnungen, Verkehr und Gewerbe. Die Stadt selbst, mit Schulen, Rathäusern und Feuerwachen, ist für 3 Prozent verantwortlich.
Woher Bonns Emissionen kommen
DIE RECHNUNGFür die städtischen Gebäude fehlen jedes Jahr 154 Millionen
Was die Stadt direkt in der Hand hat, sind ihre eigenen Gebäude: Schulen, Kitas, Verwaltung und Feuerwehr, zusammen rund eine Million Quadratmeter. Die Landesprüfer haben überschlagen, was es kostet, diese bis 2035 klimaneutral zu machen und gleichzeitig den Sanierungsstau abzubauen. Ergebnis: rund 2,5 Mrd. €. Das sind etwa 227 Mio. € pro Jahr.
Zur Einordnung: Die jährliche Lücke ist größer als das gesamte Defizit 2025 (96,6 Mio. €, Entwurf) und fast dreimal so groß wie die Zinsen des Jahres. Für alle Klimaschutzmaßnahmen zusammen stehen im Doppelhaushalt 2025/2026 rund 55 Mio. € bereit, für zwei Jahre. Die Stadt wendet ein, der reine Klimaanteil lasse sich nicht sauber von der normalen Sanierung trennen. Das stimmt. Nur bezahlt werden muss beides.
LICHT UND SCHATTENWo Bonn vorn liegt und wo ganz hinten
Strom aus erneuerbaren Quellen im Stadtgebiet Schlusslicht
Der niedrigste Wert aller 23 kreisfreien Städte. Die Prüfer räumen ein: dicht bebaut, wenig Fläche. Aber auch auf städtischen Dächern ist Luft.
Elektro- und Hybridanteil bei Transportern der Stadt zweitbester Wert
Beim eigenen Fuhrpark ist Bonn weit vorn. Bei den Pkw liegt die Stadt etwa im Mittel (2024: 37 %).
Haushalt mit Nachhaltigkeitszielen einzige Stadt
Bonn ist die einzige kreisfreie Stadt in NRW mit einem gesamtstädtischen Nachhaltigkeitshaushalt.
Und dann ist da wieder die Umsetzung. Im Energiemanagement des Gebäudemanagements arbeiteten zum Prüfzeitpunkt drei Menschen, weitere Stellen waren ausgeschrieben. Ein Bau-Controlling fehlt (Teil 9). Und von den verfügbaren Baumitteln flossen 2024 nur 13,6 % ab (Teil 6). Mehr Geld allein würde also nicht reichen.
Jahr für Jahr: was saniert wird, was es kostet und woher das Geld kommt. Zum Prüfzeitpunkt hatte die Stadt den Bedarf noch nicht selbst ermittelt, ein Ergebnis war für Ende 2025 angekündigt.
Jede Schulsanierung, die ohnehin fällig ist, gleich klimaneutral machen. So sinken Sanierungsstau und Emissionen zugleich.
Mit 1,99 % Ökostrom aus dem Stadtgebiet ist Bonn Schlusslicht. Photovoltaik auf städtischen Gebäuden senkt auch die Stromkosten.