Was kostet Bonn?Blog · Bonn erklärt
BONN ERKLÄRT · STAFFEL 2 · TEIL 11

Klimaneutral bis 2035? Für die städtischen Gebäude fehlen jedes Jahr 154 Millionen.

Bonn will bis 2035 klimaneutral sein. Allein die städtischen Gebäude bräuchten dafür und für den Abbau des Sanierungsstaus laut Landesprüfern rund 2,5 Mrd. €. Bisher fließt pro Jahr etwa ein Drittel dessen, was nötig wäre. Eine Rechnung, die im Haushalt bisher fehlt.

DAS ZIELBonn will in neun Jahren klimaneutral sein

2023 hat der Rat den Klimaplan beschlossen: Bonn soll bis 2035 klimaneutral sein. 2022 stieß das Stadtgebiet rund 1,9 Mio. Tonnen CO₂ aus, 5,7 Tonnen pro Kopf. Der größte Teil kommt aus Wohnungen, Verkehr und Gewerbe. Die Stadt selbst, mit Schulen, Rathäusern und Feuerwachen, ist für 3 Prozent verantwortlich.

Woher Bonns Emissionen kommen

Tausend Tonnen CO₂-Äquivalent · 2022 · Ist · THG-Bilanz der Stadt laut gpaNRW
Haushalte 37 %
Verkehr 27 %
Gewerbe 24 %
Private Haushalte709,0 kt · 37 %
Verkehr530,0 kt · 27 %
Gewerbe, Handel, Dienstleistungen459,0 kt · 24 %
Industrie172,0 kt · 9 %
Städtische Einrichtungen66,0 kt · 3 %
−7 %
des Niveaus von 2022 müssten jedes Jahr wegfallen, um das Ziel zu erreichen
eigene Rechnung nach gpaNRW
≈ −1 %
pro Jahr hat Bonn seit 1990 im Schnitt geschafft
gpaNRW 2024/25
8,7 Jahre
reichte das CO₂-Budget aus dem Klimaplan rechnerisch, wenn die Emissionen auf dem Stand von 2022 bleiben (Basisjahr des Budgets unklar)
gpaNRW nach Klimaplan · eigene Rechnung

DIE RECHNUNGFür die städtischen Gebäude fehlen jedes Jahr 154 Millionen

Was die Stadt direkt in der Hand hat, sind ihre eigenen Gebäude: Schulen, Kitas, Verwaltung und Feuerwehr, zusammen rund eine Million Quadratmeter. Die Landesprüfer haben überschlagen, was es kostet, diese bis 2035 klimaneutral zu machen und gleichzeitig den Sanierungsstau abzubauen. Ergebnis: rund 2,5 Mrd. €. Das sind etwa 227 Mio. € pro Jahr.

nötig (Schätzung)
227,3 Mio. € pro Jahr
bisher (Ø 2020–2024)
73,7 Mio. € pro Jahr

Bedarf: gpaNRW-Schätzung, Spanne 145–309 Mio. € pro Jahr · bisher: Auszahlungen für Bauunterhaltung und Ersatzinvestitionen laut Gebäudemanagement

154 Mio. €
fehlen pro Jahr. Nötig wäre also gut das Dreifache des bisherigen Einsatzes
2025–2035 · eigene Rechnung
451 €
pro Einwohner und Jahr wäre das
eigene Rechnung
1,7 Mrd. €
Lücke bis 2035 zusammen (Spanne 0,8–2,6 Mrd. €)
eigene Rechnung

Zur Einordnung: Die jährliche Lücke ist größer als das gesamte Defizit 2025 (96,6 Mio. €, Entwurf) und fast dreimal so groß wie die Zinsen des Jahres. Für alle Klimaschutzmaßnahmen zusammen stehen im Doppelhaushalt 2025/2026 rund 55 Mio. € bereit, für zwei Jahre. Die Stadt wendet ein, der reine Klimaanteil lasse sich nicht sauber von der normalen Sanierung trennen. Das stimmt. Nur bezahlt werden muss beides.

LICHT UND SCHATTENWo Bonn vorn liegt und wo ganz hinten

Strom aus erneuerbaren Quellen im Stadtgebiet Schlusslicht

Bonn
1,99 %
typisch
4,80 %

Der niedrigste Wert aller 23 kreisfreien Städte. Die Prüfer räumen ein: dicht bebaut, wenig Fläche. Aber auch auf städtischen Dächern ist Luft.

2023 · Ist · gpaNRW 2024/25, S. 32, 38

Elektro- und Hybridanteil bei Transportern der Stadt zweitbester Wert

Bonn
46,9 %
typisch
18,6 %

Beim eigenen Fuhrpark ist Bonn weit vorn. Bei den Pkw liegt die Stadt etwa im Mittel (2024: 37 %).

2023 · Ist · gpaNRW 2024/25, S. 97–99

Haushalt mit Nachhaltigkeitszielen einzige Stadt

Bonn
alle 122 Produktgruppen
andere
keine der 22

Bonn ist die einzige kreisfreie Stadt in NRW mit einem gesamtstädtischen Nachhaltigkeitshaushalt.

2024 · gpaNRW 2024/25, S. 9, 58

Und dann ist da wieder die Umsetzung. Im Energiemanagement des Gebäudemanagements arbeiteten zum Prüfzeitpunkt drei Menschen, weitere Stellen waren ausgeschrieben. Ein Bau-Controlling fehlt (Teil 9). Und von den verfügbaren Baumitteln flossen 2024 nur 13,6 % ab (Teil 6). Mehr Geld allein würde also nicht reichen.

Unsere EinschätzungKlimaneutral bis 2035 ist für Bonn derzeit eher ein Versprechen als ein Plan. Für die eigenen Gebäude fehlt jedes Jahr mehr Geld, als das ganze Haushaltsdefizit 2025 ausmachte. Mitten in der Haushaltssperre ist das kaum zu schließen. Ehrlich wäre: einen Finanzplan vorlegen, der zeigt, was bis 2035 realistisch ist. Dann zuerst dort sanieren, wo Klimaschutz und Substanzerhalt zusammenfallen, also bei den maroden Schulen. Und offen sagen, was sich verschiebt.
Einen echten Finanzplan bis 2035

Jahr für Jahr: was saniert wird, was es kostet und woher das Geld kommt. Zum Prüfzeitpunkt hatte die Stadt den Bedarf noch nicht selbst ermittelt, ein Ergebnis war für Ende 2025 angekündigt.

Doppelter Nutzen zuerst

Jede Schulsanierung, die ohnehin fällig ist, gleich klimaneutral machen. So sinken Sanierungsstau und Emissionen zugleich.

Dächer nutzen

Mit 1,99 % Ökostrom aus dem Stadtgebiet ist Bonn Schlusslicht. Photovoltaik auf städtischen Gebäuden senkt auch die Stromkosten.

DIE SERIEBonn erklärt

STAFFEL 1 Warum das Geld nicht reicht
STAFFEL 2 Wo das Geld hingeht und wo es fehlt
EXTRAS Prüfen und selbst rechnen