Grundsteuer auf den aufkommensneutralen Satz anheben?
Bonn bleibt bei der Grundsteuer B unter dem Satz, mit dem die Stadt nach der Reform so viel eingenommen hätte wie vorher. Soll der Rat nachbessern? Zwei Antworten.
Meinung. Gibt die Sicht der Autorin oder des Autors wieder. Die verwendeten Zahlen sind im Zahlen-Register belegt; die Schlüsse daraus sind die der Autorin oder des Autors.
WORUM ES GEHTEin Satz, zwei Sichtweisen
Der Rat hat im Juni 2026 einen Grundsteuer-B-Hebesatz von 680 % beschlossen. Aufkommensneutral wären 732 % gewesen. Ein Punkt Grundsteuer B bringt nach unserer Rechnung rund 0,14 Mio. € im Jahr (Plan 2026).
Ja, weil es sicheres Geld ist. Mehreinnahmen über dem Landes-Rechenwert darf Bonn komplett behalten, anders als bei einem Gewerbesteuer-Boom, von dem über den Finanzausgleich zeitversetzt oft nur ein Viertel bleibt. Die Grundsteuer schwankt nicht, sie hängt nicht an der Konjunktur, und sie wird von allen getragen, auch indirekt von Mieterinnen und Mietern. Wer unter dem aufkommensneutralen Satz bleibt, verschenkt laut Haus & Grund rund 8 Mio. € im Jahr, und das in einem Jahr mit Haushaltssperre. Das kann man politisch wollen. Dann muss man aber sagen, wo dieses Geld stattdessen herkommt.
Nein, weil Wohnen schon teuer genug ist. Die Grundsteuer landet über die Nebenkosten bei allen, die zur Miete wohnen, auch bei denen, die sonst keine Steuer spüren. Und sie löst das Problem nicht: Um das erwartete Defizit 2026 allein über die Grundsteuer zu schließen, bräuchte es 1.901 %. Ein paar Punkte mehr sind ein Tropfen auf den heißen Stein, aber für viele Haushalte ein echter Betrag. Erst muss die Stadt zeigen, dass sie bei den eigenen Ausgaben ernst macht.
WAS FESTSTEHTDie Zahlen hinter dem Streit
Grundsteuer-B-Hebesatz, unter dem aufkommensneutralen Satz von 732 %. Das kostet rund 8 Mio. € im Jahr
bringt ein Punkt mehr Gewerbesteuer-Hebesatz, ein Punkt Grundsteuer B 0,14 Mio. €
Grundsteuer B wären es alternativ, fast das Dreifache von heute
Andere Blickwinkel
Teil der Debatte Sollte Bonn die Steuern weiter erhöhen? · Haltung: wägt ab
Zahlen in diesem Beitrag
- 680 %Grundsteuer-B-Hebesatz, unter dem aufkommensneutralen Satz von 732 %. Das kostet rund 8 Mio. € im Jahr
- 1.901 %Grundsteuer B wären es alternativ, fast das Dreifache von heute
- 0,66 Mio. €bringt ein Punkt mehr Gewerbesteuer-Hebesatz, ein Punkt Grundsteuer B 0,14 Mio. €
Begriffe aus dem Lexikon
- Rat
- Das gewählte Hauptorgan der Stadt. Der Rat beschließt die Haushaltssatzung, die Steuersätze und den Jahresabschluss; diese Entscheidungen kann er nicht abgeben.
- Grundsteuer
- Die Steuer auf Grundstücke und Gebäude. Eigentümer zahlen sie, Mieter über die Nebenkosten mit. Seit der Reform gelten neue Bewertungen.
- Hebesatz
- Der Prozentsatz, mit dem die Stadt die Höhe von Gewerbe- und Grundsteuer selbst festlegt. Der Rat beschließt ihn.
- Plan und Ist
- Der Plan sagt, womit die Stadt für ein Jahr rechnet (politisch beschlossen), das Ist zeigt, was am Ende tatsächlich gebucht wurde.
- Gewerbesteuer
- Die Steuer auf den Gewinn von Gewerbebetrieben vor Ort. Sie ist eine der wichtigsten, aber auch die schwankendste Einnahme der Stadt.
- Schlüsselzuweisungen
- Geld vom Land, das den Unterschied zwischen dem Finanzbedarf einer Stadt und ihrer eigenen Steuerkraft teilweise ausgleicht. Grundlage ist das jährliche Gemeindefinanzierungsgesetz.
- Haushaltssperre
- Die Stadt gibt bereits eingeplantes Geld nur noch eingeschränkt frei, um ihren Haushalt zu sichern.
Quellen
- Verband oder KammerHaus & Grund Bonn/Rhein-Sieg: Grundsteuer B, Rat beschließt einheitlichen Hebesatz in Höhe von 680 v. H. 06/2026
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Vorbericht 2025
- Amtliches DokumentLand NRW: Gemeindefinanzierungsgesetz NRW 2026 (§§ 7–9) ohne Fundstelle
Korrekturen
Wer schreibt hier
Forscht zu kommunalen Finanzen und Haushaltssteuerung an einer Hochschule in NRW.
Pendelt täglich von Beuel nach Tannenbusch und schreibt aus Sicht der Leserinnen und Leser.
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