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Bonn, Unabhängig. Belegt. Für alle, die mitreden wollen.

Was kostet Bonn?

Erklärstück · VertiefungWoher das Geld kommt

537 Prozent. Bonn ist bei den Steuern fast am Anschlag.

Bonn nimmt so viel Steuern ein wie nie. Aber die wichtigste Einnahme schwankt um 100 Millionen, vom Boom bleibt über den Finanzausgleich oft nur ein Viertel, und an der Steuerschraube ist kaum noch Luft. Woher Bonns Geld kommt und warum es nicht verlässlich ist.

DER MIXWovon Bonn lebt

Knapp die Hälfte aller Erträge sind Steuern. Die wichtigste ist die Gewerbesteuer, die Unternehmen auf ihren Gewinn zahlen. Dazu kommen der Anteil der Stadt an der Einkommensteuer ihrer Bürger, die Grundsteuer auf Häuser und Grundstücke und Zuweisungen des Landes.

Bonns Steuern und Abgaben 2026

Mio. € · Plan · Haushaltsplan 2025/2026, Vorbericht

  • Gewerbesteuer352,9 Mio. € · 41 %
  • Anteil an der Einkommensteuer257,3 Mio. € · 30 %
  • Grundsteuer B100,4 Mio. € · 11 %
  • Ausgleichsleistungen (Familienleistungsausgleich)86,4 Mio. € · 10 %
  • Anteil an der Umsatzsteuer50,6 Mio. € · 6 %
  • Sonstige (u. a. Hunde-, Vergnügungssteuer)14,5 Mio. € · 2 %

Quelle: Stadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Vorbericht

+24 %

Steuerkraft pro Kopf über der typischen kreisfreien Stadt (1.837 € zu 1.487 €)

2023IstGemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW)

44,7 %

Anteil der Steuern an den Erträgen. Typisch 33,9 %

2023IstStadt Bonn

41 %

aller Steuern kommen 2026 aus der Gewerbesteuer

2026PlanStadt Bonn

DIE ACHTERBAHNDie Haupteinnahme schwankt um 100 Millionen

Gewerbesteuer Bonn

Mio. € · Ist · 2011–2018 gpaNRW 2019 · 2020–2023 Vorbericht · 2019 liegt nicht vor

Ist

Quelle: Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW): Überörtliche Prüfung der Stadt Bonn 2019, Gesamtbericht; Stadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Vorbericht

Daten als Tabelle
Wert fürMio. €Status
2023313Ist
2022242Ist
2021236Ist
2020212Ist
2018318Ist
2017275Ist
2016261Ist
2015214Ist
2014182Ist
2013181Ist
2012178Ist
2011289Ist

Von 289 Mio. € auf 178 Mio. € in einem Jahr (2011 → 2012), dann wieder hoch auf 318 Mio. € (2018). Davon waren allerdings 42 Mio. € eine Forderung, die die Stadt nie eintreiben konnte. 2023 kamen auf einen Schlag 71 Mio. € mehr. 2024 lag die Gewerbesteuer rund 52 Mio. € über Plan, 2025 rund 44 Mio. € (Entwurf), laut Stadt dank „einmaliger Sondereffekte“.

Ein Haushalt, der auf eine Steuer baut, die um 100 Millionen schwanken kann, ist auf Sand gebaut.

WAS ÜBRIG BLEIBTVom Gewerbesteuer-Boom bleibt nur ein Viertel

Jetzt wird es kompliziert, aber es ist wichtig. NRW verteilt Geld zwischen armen und reichen Städten um, über die Schlüsselzuweisungen. Je mehr Steuern eine Stadt selbst einnimmt, desto weniger bekommt sie vom Land. Das passiert zeitversetzt, ein, zwei Jahre später. Nach dem Boom 2023 fielen die Zuweisungen von 216 Mio. € (2024) auf 188 Mio. € (2025, Entwurf). Mit hinein spielte auch der Zensus 2022, der Bonn rund 11.000 Einwohner weniger zuschrieb.

Vom Gewerbesteuer-Boom bleibt nur ein Viertel

Vereinfachte eigene Modellrechnung nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz 2026

Zwei Modellrechnungen: 100 Millionen Euro mehr, weil Firmen mehr verdienen, davon bleiben rund 27 Millionen. 100 Millionen Euro mehr durch einen höheren Hebesatz, davon bleiben 100 Millionen.

100 Mio. € mehr, weil Firmen mehr verdienen bleibt ≈ 27 Mio. €

Plus: 100 Mio. €; bleibt: ≈ 27 Mio. €

Rund 7 Mio. € gehen als Gewerbesteuerumlage an Bund und Land ab, etwa 67 Mio. € fehlen später bei den Zuweisungen vom Land. Vereinfachte eigene Modellrechnung nach dem Gemeindefinanzierungsgesetz, ohne Landschaftsumlage.

Modell 2026Rechnung§§ 7–9 GFG 2026

100 Mio. € mehr durch einen höheren Hebesatz bleibt 100 Mio. €

Plus: 100 Mio. €; bleibt: 100 Mio. €

Das Land rechnet mit einem festen Hebesatz von 433 %. Was Bonn darüber verlangt, darf die Stadt komplett behalten. Deshalb ist der Hebesatz so verlockend.

Modell 2026Rechnung§ 9 GFG 2026

Quelle: Land NRW: Gemeindefinanzierungsgesetz NRW 2026 (§§ 7–9)

AM ANSCHLAGAn der Steuerschraube ist kaum noch Luft

Gewerbesteuer-Hebesatz im Vergleich

% · 2026 · Satzungen laut IHK und Stadt Köln · Ø kreisfreie Städte 2024 laut gpaNRW

Ist

Quelle: IHK Bonn/Rhein-Sieg: Realsteuerhebesätze 2026 in der Region Bonn/Rhein-Sieg; Stadt Köln: Hebesätze der Stadt Köln; IHK Düsseldorf: Gewerbesteuerhebesätze; Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW): Überörtliche Prüfung der Stadt Bonn 2024/2025, Gesamtbericht

Daten als Tabelle
Wert für%Status
Bonn537 %Ist
Sankt Augustin525 %Ist
Ø kreisfreie Städte (2024)484 %Ist
Köln475 %Ist
Düsseldorf440 %Ist
Landes-Rechenwert433 %Ist

Bonn hat den Gewerbesteuer-Hebesatz 2024 von 490 auf 537 Prozent erhöht. Nur zwei kreisfreie Städte in NRW verlangten 2024 mehr. Bei der Grundsteuer B lag Bonn 2024 mit 680 Prozent im Durchschnitt der kreisfreien Städte (660 %). Nach der Grundsteuerreform sind die Sätze nur noch eingeschränkt vergleichbar. Hier hat der Rat im Juni 2026 entschieden, unter dem aufkommensneutralen Satz von 732 Prozent zu bleiben. Mit diesem Satz hätte die Stadt nach der Grundsteuerreform genauso viel eingenommen wie vorher. Das kostet laut Haus & Grund rund 8 Mio. € im Jahr und ist ein Grund für „weniger Grundsteuer“ in der Prognose 2026 (Teil 5).

0,66 Mio. €

bringt ein Punkt mehr Gewerbesteuer-Hebesatz, ein Punkt Grundsteuer B 0,14 Mio. €

2026RechnungStadt Bonn

792 %

Gewerbesteuer wären nötig, um das erwartete Defizit 2026 allein so zu schließen. Höchster Satz einer kreisfreien Stadt 2018 waren 580 %

2026RechnungStadt Bonn

1.901 %

Grundsteuer B wären es alternativ, fast das Dreifache von heute

2026RechnungStadt Bonn

Was helfen könnte

  • Booms in die Tilgung Jedes Gewerbesteuer-Plus über Plan geht automatisch in den Abbau des Dispos (Teil 2). Das sind Einmaleffekte, und so sollten sie auch behandelt werden.
  • Grundsteuer ehrlich rechnen Wer unter dem aufkommensneutralen Satz bleibt, verschenkt Millionen. Das kann man politisch wollen, man sollte es dann aber auch so sagen.
  • Platz für Unternehmen Bonn ist klein und hat kaum Gewerbeflächen, sagt die Stadt selbst. Mehr Ansiedlung bringt dauerhaft mehr als ein höherer Hebesatz.

Selbst ausprobieren

  • Bonnle: Drei Zahlen am Tag

    Schätz jeden Tag drei Zahlen aus Bonns Haushalt. Danach siehst du Jahr, Status und Quelle und teilst dein Ergebnis.

  • Blitzer und Knöllchen in deiner Straße

    Such deine Straße in den Bußgelddaten 2024: wie oft geblitzt und aufgeschrieben wurde, und warum das den Haushalt nicht rettet.

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  1. Folie 1: Woher das Geld kommt. 537 Prozent. Bonn ist bei den Steuern fast am Anschlag.Folie 1 speichern
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  3. Folie 3: Woher das Geld kommt. 44,7 %. Anteil der Steuern an den Erträgen. Typisch 33,9 %Folie 3 speichern
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  5. Folie 5: In 20 Sekunden. Die Gewerbesteuer ist Bonns größte Steuer und schwankte 2011–2023 (Ist) zwischen 178 Mio. € (2012) und 318 Mio. € (2018).. Wächst sie, holt sich das Land über den Finanzausgleich zeitversetzt rund drei Viertel zurück (Modellrechnung).. Mit 537 % verlangen nur zwei kreisfreie Städte mehr Gewerbesteuer. Das erwartete Defizit 2026 (Prognose) allein über die Gewerbesteuer zu schließen, hieße 792 %.Folie 5 speichern
  6. Folie 6: Weiterlesen. Ganzer Beitrag, alle Quellen, alle Rechenwege: Link in der Beschreibung.Folie 6 speichern

Andere Blickwinkel

Teil der Debatte Sollte Bonn die Steuern weiter erhöhen?

Meinung · Pro & ContraEinnahmen und Steuern

Grundsteuer auf den aufkommensneutralen Satz anheben?

Bonn bleibt bei der Grundsteuer B unter dem Satz, mit dem die Stadt nach der Reform so viel eingenommen hätte wie vorher. Soll der Rat nachbessern? Zwei Antworten.

Dr. Selin Aydın, Tom BrandtPosition: wägt ab4 Min.Beispiel

Zahlen in diesem Beitrag

  • +24 %Steuerkraft pro Kopf über der typischen kreisfreien Stadt (1.837 € zu 1.487 €)2023 · Ist · Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW)
  • 44,7 %Anteil der Steuern an den Erträgen. Typisch 33,9 %2023 · Ist · Stadt Bonn
  • 41 %aller Steuern kommen 2026 aus der Gewerbesteuer2026 · Plan · Stadt Bonn
  • 0,66 Mio. €bringt ein Punkt mehr Gewerbesteuer-Hebesatz, ein Punkt Grundsteuer B 0,14 Mio. €2026 · Rechnung · Stadt Bonn
  • 792 %Gewerbesteuer wären nötig, um das erwartete Defizit 2026 allein so zu schließen. Höchster Satz einer kreisfreien Stadt 2018 waren 580 %2026 · Rechnung · Stadt Bonn
  • 1.901 %Grundsteuer B wären es alternativ, fast das Dreifache von heute2026 · Rechnung · Stadt Bonn

Begriffe aus dem Lexikon

Ertrag
Was der Stadt für ein Jahr zusteht – etwa Steuern, Gebühren oder Zuschüsse –, auch wenn das Geld vielleicht erst später kommt.
Gewerbesteuer
Die Steuer auf den Gewinn von Gewerbebetrieben vor Ort. Sie ist eine der wichtigsten, aber auch die schwankendste Einnahme der Stadt.
Grundsteuer
Die Steuer auf Grundstücke und Gebäude. Eigentümer zahlen sie, Mieter über die Nebenkosten mit. Seit der Reform gelten neue Bewertungen.
Plan und Ist
Der Plan sagt, womit die Stadt für ein Jahr rechnet (politisch beschlossen), das Ist zeigt, was am Ende tatsächlich gebucht wurde.
Entwurf
Ein veröffentlichter Zwischenstand, der noch nicht abschließend geprüft und bestätigt ist.
Schlüsselzuweisungen
Geld vom Land, das den Unterschied zwischen dem Finanzbedarf einer Stadt und ihrer eigenen Steuerkraft teilweise ausgleicht. Grundlage ist das jährliche Gemeindefinanzierungsgesetz.
Hebesatz
Der Prozentsatz, mit dem die Stadt die Höhe von Gewerbe- und Grundsteuer selbst festlegt. Der Rat beschließt ihn.
Kreisfreie Stadt
Eine Stadt, die keinem Kreis angehört und deshalb auch die Aufgaben erfüllt, die anderswo ein Kreis übernimmt. Bonn ist eine kreisfreie Stadt.

Alle Begriffe von A bis Z: Lexikon.

Quellen

Alle Quellen mit Typ und Verwendung: Quellen-Register.

Korrekturen

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Wer schreibt hier

Redaktion Was kostet Bonn?

Die Redaktion wertet Haushaltspläne, Jahresabschlüsse, Prüfberichte und Ratsunterlagen aus und erklärt sie ohne Fachchinesisch.

Unabhängiges Projekt, keine Seite der Stadt Bonn. Maßgeblich sind die verlinkten Originalquellen.

Zuerst erschienen in der Serie „Bonn erklärt“: Fassung V3.

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Die Stadt hat 2024 rund 182.000 Tempo- und 138.000 Parkverstöße erfasst. Wo am meisten geblitzt wird, was dabei an Bußgeld eingetragen wird und warum davon kaum etwas im Haushalt ankommt.

Redaktion3 Min.

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Bonn bleibt bei der Grundsteuer B unter dem Satz, mit dem die Stadt nach der Reform so viel eingenommen hätte wie vorher. Soll der Rat nachbessern? Zwei Antworten.

Dr. Selin Aydın, Tom BrandtPosition: wägt ab4 Min.Beispiel