Notbremse gezogen. Was die Haushaltssperre für Bonn bedeutet.
Am 8. September 2026 hat Bonns Kämmerer den Geldhahn zugedreht. Was heißt das, wie konnte es so weit kommen und was passiert, wenn auch die letzte Reserve aufgebraucht ist?

WAS PASSIERT ISTDer Kämmerer zieht die Notbremse
Seit dem 8. September 2026 gilt in Bonn eine Haushaltssperre. Die Verwaltung darf eingeplantes Geld nur noch eingeschränkt ausgeben. Was rechtlich Pflicht ist, wird weiter bezahlt: Sozialleistungen, Gehälter, laufende Verträge. Alles andere kommt auf den Prüfstand. Verhängt hat sie Kämmerer Michael Fark im Einvernehmen mit dem Oberbürgermeister. Das Gesetz erlaubt ihm das (§ 25 Abs. 2 KomHVO NRW).
Erwartetes Jahresergebnis 2026 nach dem Quartalsbericht II
Jahresergebnis 2026 laut Haushaltsplan, und das galt schon als schlecht
bleiben im Sparbuch, wenn man die Fehlbeträge 2024 und 2025 verrechnet
DIE RECHNUNGWie aus −123,5 Mio. € −167,5 Mio. € wurden
Vom Plan zur Prognose 2026
Mio. € · Jahresergebnis 2026 · Plan und Prognose (gerundet) · Quartalsbericht II/2026
Gerundete Werte; die Summe der Schritte weicht rundungsbedingt um 0,1 ab. Die Brücke zeigt den Unterschied zwischen Plan und Prognose, sie addiert keine Ist-Werte.
Quelle: Stadt Bonn: Quartalsbericht II/2026, Stellungnahme 261440-01 ST; Stadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Gesamtergebnis- und Gesamtfinanzplan
Daten als Tabelle
| Schritt | Mio. € | Status |
|---|---|---|
| Plan 2026 | −123,5 | Plan |
| Mehr Einnahmen | +21,3 | Prognose |
| Mehr Ausgaben | −99,2 | Prognose |
| Verschoben auf 2027 | +70,0 | Prognose |
| Finanzergebnis besser | +1,3 | Prognose |
| Sparvorgabe fällt weg | −37,5 | Prognose |
| Prognose 2026 | −167,5 | Prognose |
Die Stadt nennt als Gründe weniger Grundsteuer und weniger Erstattungen für die Unterbringung Geflüchteter. Dazu kommen mehr Sozialleistungen und höhere Zahlungen an das städtische Gebäudemanagement. Die Zinsen sind ausnahmsweise nicht schuld, das Finanzergebnis ist sogar leicht besser als geplant.
Achtung beim Plus von 70 Mio. €: Die Kämmerei nimmt an, dass dieses Geld erst 2027 ausgegeben wird. Verschoben ist nicht gespart.
Rechnet man diese Verschiebung heraus, läge das Minus 2026 bei rund 237,5 Mio. € (eigene Rechnung). Und die „Sparvorgabe“ über 37,5 Mio. € war nie eine echte Einsparung. Sie war eine pauschale Kürzung im Plan, die das Gesetz erlaubt, damit der Haushalt auf dem Papier besser aussieht. In der Prognose fällt sie jetzt einfach weg.
DAS POLSTERDie Reserve ist fast leer
Für schlechte Jahre hat eine Stadt eine Ausgleichsrücklage, eine Art Sparbuch. Bonns Sparbuch war nach dem Überschuss 2023 gut gefüllt. Der kam vor allem aus einer Sonderbuchung: 94,7 Mio. € außerordentliche Erträge, mit denen Corona- und Kriegslasten herausgerechnet wurden. Dazu kam ein Gewerbesteuer-Plus. Jetzt ist es fast leer.
Bonns Sparbuch (Ausgleichsrücklage)
Mio. € · Stand 31.12. · Bilanz 2024 Ist · danach eigene Rechnung auf Basis Entwurf 2025 und Plan 2026
Quelle: Stadt Bonn: Jahresabschlüsse 2013–2024 (Ergebnisrechnung, Bilanz, Anlagen- und Verbindlichkeitenspiegel); Stadt Bonn: Jahresabschluss 2025 (Entwurf), Teil 1; Stadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Gesamtergebnis- und Gesamtfinanzplan
Daten als Tabelle
| Wert für | Mio. € | Status |
|---|---|---|
| Ende 2024 | 163 | Ist |
| nach Minus 2024 + 2025 | 9 | Rechnung |
| nach Minus 2026 | 0 | Plan |
Ist das Sparbuch leer, kann Bonn ein weiteres Minus höchstens drei Jahre vor sich herschieben, und nur mit Genehmigung der Aufsicht (Verlustvortrag, § 79 Abs. 3 und § 75 Abs. 4 GO NRW). Danach geht es an die eiserne Reserve, die allgemeine Rücklage von rund einer Milliarde Euro. Schrumpft die zu schnell, wird es ernst. Plant Bonn, sie in einem Jahr um mehr als ein Viertel oder in zwei Jahren hintereinander um jeweils mehr als ein Zwanzigstel zu verringern, muss die Stadt ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen (§ 76 GO NRW). Dann redet die Bezirksregierung bei jedem Euro mit. Bonn kennt das: Bis 2021 war die Stadt schon einmal in der Haushaltssicherung.
Etwas Luft verschafft die Altschuldenhilfe des Landes. Die 225 Mio. € erhöhen 2026 auch die allgemeine Rücklage.
WAS DAS FÜR DICH HEISSTSpürbar wird es bei allem, was freiwillig ist
Zahlungen, zu denen die Stadt rechtlich verpflichtet ist, laufen weiter. Gebremst wird, was sie nicht zahlen muss. Welche Ausgaben das konkret trifft, hat die Stadt noch nicht veröffentlicht. Einen pauschalen Verzicht auf Zukunftsinvestitionen soll die Sperre laut Stadt nicht bedeuten. Anfang Oktober bewertet der Verwaltungsvorstand die Prüfaufträge. Ziel ist ein Haushalt 2027/2028, den die Aufsicht genehmigen kann.
ZWISCHENFAZIT STAFFEL 1Fünf Teile, drei Baustellen
Die Haushaltssperre kauft Zeit. Mehr nicht.
Zahlen in diesem Beitrag
- −167,5 Mio. €Erwartetes Jahresergebnis 2026 nach dem Quartalsbericht II
- −123,5 Mio. €Jahresergebnis 2026 laut Haushaltsplan, und das galt schon als schlecht
- rund 9 Mio. €bleiben im Sparbuch, wenn man die Fehlbeträge 2024 und 2025 verrechnet
Begriffe aus dem Lexikon
- Kämmerer
- Der Beigeordnete, der für die Finanzen zuständig ist. Er stellt den Entwurf des Haushalts auf und kann eine Haushaltssperre verhängen.
- Haushaltssperre
- Die Stadt gibt bereits eingeplantes Geld nur noch eingeschränkt frei, um ihren Haushalt zu sichern.
- Oberbürgermeister
- Leitet die Stadtverwaltung, vertritt die Stadt nach außen und führt den Vorsitz im Rat. In kreisfreien Städten heißt das Amt Oberbürgermeister.
- Grundsteuer
- Die Steuer auf Grundstücke und Gebäude. Eigentümer zahlen sie, Mieter über die Nebenkosten mit. Seit der Reform gelten neue Bewertungen.
- Plan und Ist
- Der Plan sagt, womit die Stadt für ein Jahr rechnet (politisch beschlossen), das Ist zeigt, was am Ende tatsächlich gebucht wurde.
- Prognose
- Eine aktualisierte Schätzung, wie das Jahr voraussichtlich ausgeht – weder beschlossener Plan noch endgültiges Ergebnis.
- Ausgleichsrücklage
- Ein Polster im Eigenkapital, aus dem die Stadt Fehlbeträge ausgleichen darf. Sie ist kein Bankguthaben. Ist sie aufgebraucht, schrumpft die allgemeine Rücklage.
- Ertrag
- Was der Stadt für ein Jahr zusteht – etwa Steuern, Gebühren oder Zuschüsse –, auch wenn das Geld vielleicht erst später kommt.
Quellen
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Kämmerer verhängt Haushaltssperre für Bonn (Pressemitteilung) 07.09.2026
- RatsinformationStadt Bonn: Quartalsbericht II/2026, Stellungnahme 261440-01 ST 04.09.2026
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Gesamtergebnis- und Gesamtfinanzplan 2025
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Vorbericht 2025
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Jahresabschluss 2025 (Entwurf), Teil 1 2026 · Bilanz S. 5, Altschuldenentlastung S. 44–45
- PrüfberichtGemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW): Überörtliche Prüfung der Stadt Bonn 2024/2025, Gesamtbericht 01/2026 · S. 7, 39, 45–46
- Amtliches DokumentLand NRW: Gemeindeordnung NRW (§§ 75, 76, 79, 128) §§ 75, 76, 79
- Amtliches DokumentLand NRW: Kommunalhaushaltsverordnung NRW (§ 25) § 25 Abs. 2
Korrekturen
- Der Planwert 2026 stand in Vorfassungen der Serie unterschiedlich gerundet da (−123, −123,4 und −123,5 Mio. €). Einheitlich gilt jetzt −123,5 Mio. € (Gesamtergebnisplan: −123.452.372 €).
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