Jeder vierte Euro geht ans Personal. Und trotzdem wartest du.
447 Mio. € für das Personal, dazu eine Pensionslast von 913 Mio. €, die fast so groß ist wie das Eigenkapital der Stadt. Und trotzdem dauert eine Baugenehmigung 295 Tage, das Gesundheitsamt ist unterbesetzt und Investitionen bleiben liegen. Das Personal-Paradox.
DIE ZAHLFast eine halbe Milliarde für die Menschen, die Bonn verwalten
Lehrkräfte bezahlt das Land, Erzieherinnen oft freie Träger. Für alle anderen, vom Ordnungsamt bis zur Feuerwehr, zahlt die Stadt selbst. 2025 waren das in der Kernverwaltung 447 Mio. € Personalaufwand. Dazu kommen 49 Mio. € Versorgungsaufwand für Pensionen.
Personalaufwand der Stadt Bonn
Mio. € · Kernverwaltung · 2013–2024 Ist · 2025 Entwurf · Jahresabschlüsse
Quelle: Stadt Bonn: Jahresabschlüsse 2013–2024 (Ergebnisrechnung, Bilanz, Anlagen- und Verbindlichkeitenspiegel); Stadt Bonn: Jahresabschluss 2025 (Entwurf), Teil 1
Daten als Tabelle
| Jahr | Personal |
|---|---|
| 2025 | 447,1 |
| 2024 | 412,2 |
| 2023 | 379,2 |
| 2022 | 371,5 |
| 2021 | 349,2 |
| 2020 | 341,6 |
| 2019 | 339,8 |
| 2018 | 313,4 |
| 2017 | 298,5 |
| 2016 | 285,6 |
| 2015 | 270,8 |
| 2014 | 268,3 |
| 2013 | 250,4 |
Personalaufwand 2013 → 2024, im Schnitt +4,6 % pro Jahr. Die Einwohnerzahl wuchs 2014 → 2024 um 6 %
Anteil Personal am Aufwand in der Abgrenzung der Prüfer. Typisch 21,22 %, Bonn liegt darüber, aber nicht im teuersten Viertel
mehr Planstellen 2023 → 2026. Die Kosten steigen vor allem über die Löhne
Der Sprung um 8,5 Prozent im Jahr 2025 sieht dramatischer aus, als er ist. Ein Teil, gut 10 Mio. €, kommt aus einer geänderten Buchungssystematik bei den Rückstellungen für Überstunden und nicht genommenen Urlaub. Für 2029 plant die Stadt mit 523 Mio. € für Personal und Pensionen zusammen. Ab 2027 sollen dafür jedes Jahr 60 Stellen wegfallen.
DER RIESE IM KELLER913 Millionen Euro für künftige Pensionen
Beamtinnen und Beamte bekommen im Ruhestand eine Pension von der Stadt, nicht von der Rentenversicherung. Für jeden Euro, den sie heute an Anspruch erwerben, muss Bonn eine Rückstellung bilden. In der Bilanz ist das eine Schuld gegenüber der Zukunft.
Pensionsrückstellungen der Stadt Bonn
Mio. € · Stand 31.12. · 2013–2022 Ist · 2025 Entwurf · Bilanz
Quelle: Stadt Bonn: Jahresabschlüsse 2013–2024 (Ergebnisrechnung, Bilanz, Anlagen- und Verbindlichkeitenspiegel); Stadt Bonn: Jahresabschluss 2025 (Entwurf), Teil 1
Daten als Tabelle
| Wert für | Mio. € | Status |
|---|---|---|
| 2025 | 913 | Entwurf |
| 2022 | 877 | Ist |
| 2019 | 787 | Ist |
| 2016 | 688 | Ist |
| 2013 | 604 | Ist |
des gesamten Eigenkapitals der Stadt entsprechen die Pensionsrückstellungen
pro Einwohner stehen rechnerisch für künftige Pensionen in der Bilanz
des Betrags gehören seit 2024 zu Menschen, die schon im Ruhestand sind
Jede Besoldungsrunde erhöht diese Rückstellung, für alle Aktiven und für alle Pensionäre. Das ist der stille Riese im Keller des Haushalts: Er taucht in keiner Schlagzeile auf und wächst trotzdem jedes Jahr.
DAS PARADOXViel Personal, und trotzdem wartest du
Bonn gibt mehr für Personal aus als die typische Stadt. Trotzdem fehlen Leute genau dort, wo Bürgerinnen und Unternehmen warten.
Viel Personal, und trotzdem wartest du
Bonn gegen typische Stadt · gpaNRW 2024/2025 und Stellenplan
Baugenehmigung im normalen Verfahren Bonn 295 gegen typisch 171 Tage (2023); Gesundheitsamt 23,3 gegen 28,6 Stellen pro 100.000 Einwohner; besetzt 5.518,5 von 6.033,5 geplanten Stellen (Mitte 2024).
Baugenehmigung, normales Verfahren 295 Tage
Bonn: 295 Tage; typisch: 171 Tage
Die Landesprüfer halten 84 Tage für angemessen. Im vereinfachten Verfahren waren es 221 Tage, typisch sind 172. Als Gründe nennen sie Fallbelastung und hohe Fluktuation.
Gesundheitsamt: Stellen pro 100.000 Einwohner −19 %
Bonn: 23,3; typisch: 28,6
Anfang 2024 waren von 124 geplanten Vollzeitstellen nur rund 86 Vollzeitäquivalente besetzt, auch wegen Teilzeit. Die Prüfer nennen an anderer Stelle eine Lücke von rund 20 Stellen. Einen Gesundheitsbericht hat das Amt bisher nicht erstellt.
Besetzte Stellen in der Verwaltung 515 offen
besetzt: 5.518,5; geplant: 6.033,5
Gut jede zwölfte Stelle war Mitte 2024 nicht besetzt. Die Verwaltung nennt fehlendes Personal auch als einen Grund, warum Baumittel liegen bleiben: 2024 flossen nur 13,6 % ab.
Quelle: Gemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW): Überörtliche Prüfung der Stadt Bonn 2024/2025, Gesamtbericht; Stadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Stellenplan
Was helfen könnte
- Stellen nach Engpass, nicht nach Rasenmäher Kürzen, wo Arbeit wegfällt, etwa durch Digitalisierung. Verstärken, wo Bürger warten und wo Geld liegen bleibt, weil niemand es verbauen kann.
- Digital von Anfang bis Ende Bonn nimmt Bauanträge seit 2023 digital an, Papieranträge wurden bei der Prüfung 2024 aber noch analog bearbeitet. Erst seit Dezember 2024 werden sie schrittweise eingescannt. Der durchgehend digitale Weg spart Zeit und Personal.
- Die Pensionslast sichtbar machen Eine Zahl, die fast so groß ist wie das Eigenkapital, gehört in jede Haushaltsrede, samt Plan, wie sie finanziert wird.
Zahlen in diesem Beitrag
- 447 Mio. €Personalaufwand der Kernverwaltung, dazu 49 Mio. € Versorgungsaufwand
- +65 %Personalaufwand 2013 → 2024, im Schnitt +4,6 % pro Jahr. Die Einwohnerzahl wuchs 2014 → 2024 um 6 %
- 22,85 %Anteil Personal am Aufwand in der Abgrenzung der Prüfer. Typisch 21,22 %, Bonn liegt darüber, aber nicht im teuersten Viertel
- +0,9 %mehr Planstellen 2023 → 2026. Die Kosten steigen vor allem über die Löhne
- 91 %des gesamten Eigenkapitals der Stadt entsprechen die Pensionsrückstellungen
- 2.670 €pro Einwohner stehen rechnerisch für künftige Pensionen in der Bilanz
- über 50 %des Betrags gehören seit 2024 zu Menschen, die schon im Ruhestand sind
Begriffe aus dem Lexikon
- Rückstellungen
- Künftige Verpflichtungen der Stadt, deren Höhe oder Zeitpunkt noch unsicher ist – zum Beispiel spätere Pensionen.
- Beamtinnen und Beamte
- Beschäftigte, die nicht per Arbeitsvertrag, sondern in einem besonderen Dienstverhältnis nach Beamtenrecht für die Stadt arbeiten.
- Bilanz
- Eine Momentaufnahme an einem Stichtag: Was besitzt die Stadt, und wie ist dieses Vermögen finanziert – mit eigenen Mitteln oder mit Schulden?
- Plan und Ist
- Der Plan sagt, womit die Stadt für ein Jahr rechnet (politisch beschlossen), das Ist zeigt, was am Ende tatsächlich gebucht wurde.
- Eigenkapital
- Der rechnerische Rest des Vermögens nach Abzug von Schulden, Rückstellungen und anderen Posten – kein Geld auf einem Konto.
Quellen
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Jahresabschlüsse 2013–2024 (Ergebnisrechnung, Bilanz, Anlagen- und Verbindlichkeitenspiegel) 2014–2025 · Ergebnisrechnung und Bilanz
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Jahresabschluss 2025 (Entwurf), Teil 1 2026 · geänderte Buchungssystematik Rückstellungen, PDF-S. 72
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Stellenplan 2025 · PDF-S. 2–3
- Amtliches DokumentStadt Bonn: Haushaltsplan 2025/2026, Vorbericht 2025 · Personalaufwand, PDF-S. 26–28
- PrüfberichtGemeindeprüfungsanstalt NRW (gpaNRW): Überörtliche Prüfung der Stadt Bonn 2024/2025, Gesamtbericht 01/2026 · S. 81, 277–289, 304–325
Korrekturen
- Eine Vorfassung behauptete, Bonn könne „ein Viertel seiner Baumittel nicht ausgeben“. Das drehte die Quote um. Richtig ist: 2024 flossen nur 13,6 % der verfügbaren Baumittel ab.
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Die Redaktion wertet Haushaltspläne, Jahresabschlüsse, Prüfberichte und Ratsunterlagen aus und erklärt sie ohne Fachchinesisch.
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